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Hauptuntersuchung Wagen 11 kurz vor dem Abschluß

Seit längerem befindet sich der Wagen 11 im Dampflokschuppen zur Hauptuntersuchung. Bei diesem Wagen handelt es sich um einen Vorläufer der „Donnerbüchsen“. Auf einem Stahlrahmen ruht ein hölzerner Wagenkasten, der nach außen hin mit Blechplatten beschlagen ist. Erworben von der Deutschen Reichsbahn als Bauzugwagen ohne Inneneinrichtung, wurde der Wagen im Jahre 1991 betriebsfähig aufgearbeitet, das Erscheinungsbild der Sitzabteile im Laufe der nächsten Jahre jedoch nicht verändert. So wirkte der Wagen im Inneren doch recht kühl und kahl. Im Zuge seiner Abstellung wegen Fristablaufs im Jahre 2009 wurden schon erste Pläne für ein ansprechenderes Aussehen entworfen. 1921 gebaut, wurde der Wagen dann 1955 einer Generalreparatur im Raw Wittenberge unterzogen. In diesem Zustand soll sich der Wagen dann nach Abschluss seiner Hauptuntersuchung zeigen.

Um ihn wieder in diesen Zustand herrichten zu können, wurden die Abteile von den bis dahin eingebauten S-Bahn-Holzbänken beräumt und es erfolgte der Einbau einer Niederdruckdampfheizung. Die Beleuchtungsanlage des Wagens wurde wieder auf Einzelwagenbeleuchtung umgestellt. Hierzu waren der Anbau des Generators, Batteriekasten und des Ladereglers erforderlich. Für die bessere Information unserer Fahrgäste wurde eine Lautsprecheranlage installiert. In den Abteilen wurden die Wandverkleidungen nach originalem Vorbild nachgefertigt. Die Bestuhlung der Abteile wurde aus vorhandenen Polsterbänken vorgenommen, zugleich wurden fehlende Polsterstücke in der JVA-Tegel nachgefertigt. Ein Großteil der Arbeiten nahm das Fahrwerk in Anspruch. Neben einem Achsentausch erfolgte auch die Zerlegung und Vermessung des gesamten Bremsgestänges. Ebenso stellte der Aufbau des hölzernen Wagenkastens eine Herausforderung dar. Ein Holzbalken war so sehr angegriffen, dass dieser neu aus Eiche angefertigt werden musste. Zuletzt wurde der Wagenkasten angeschliffen, um abschließend neu lackiert werden zu können.

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Durch das Anschleifen der Wagenaußenhaut unseres Wagens Nr. 11 haben wir Zeugnisse zu einem weiteren, bisher nicht bekannten Lebensabschnitt des Wagens gefunden.

Bisher hieß es, dass der Wagen nach seiner Zeit als Reisezugwagen mit der Stammnummer 340-413 (Epoche IIIb) ab der Zeit der Computernummern (Epoche IV) als Bauzugwagen fungierte (60 50 99 17 836-6). Dem ist offenbar nicht so:

Wir haben die Computernummer 50 50 24 25 504-2 entdeckt. Das bedeutet, daß er vor seinem Einsatz als Bauzugwagen noch als Reisezugwagen diente:

  • 50 Austauschverfahren: Wagen für den Binnenverkehr
  • 50 Eigentumsmerkmal: DR
  • 24 zweiachsiger Sitzwagen 2. Kl. (alle Sitzangebote)
  • 25 Höchstgeschwindigkeit kleiner/gleich 120 km/h, mit Dampfheizung (ggf. auch mit elf. Hzg.)
  • 504 Ordnungsnummer
  • -2 Selbstkontrollziffer

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Spannend wird es mit der Bauart-Bezeichnung, die nur “Ba” anzeigte. Danach wäre der Wagen jedoch ein dreiachsiger Wagen ohne Durchgang (wie z.B. klassicher preuß. Abteilwagen). Hierbei handelt es sich entweder um einen Fehler oder um einen Abbruch beim Anbringen der Bezeichnung (unvollständig geblieben). Richtig wäre: “Baai” oder “Baaie” (mit elektr. Hzg.), dann hätten beide Polster (z.B. aus Generalreparatur oder als Reko-Rohrgestell). Möglich wäre auch: “Baaio” (dann hätte er Holzklasse als Bestuhlung behalten).

Laut Datenblatt war diese Bezeichnung (50 50 24 25 504-2) schon einmal in der Wagenstammkarte eingetragen. Sie wurde nach der HU 1991 vom Raw Pts nochmals vergeben, aber 1991 nicht am Wagenkasten angebracht, sondern nur am Langträger.
Tatsache ist jedenfalls, dass ausweislich der durchgeführten Schleifarbeiten die Bauzugwagen-Nummern definitiv über der Reisezugwagen-Nummer aufgemalt wurden und es eine Zwischenschicht aus grüner Wagenfarbe gab.

Wir vermuten, dass der Wagen nach dem Raw-Aufenthalt Okt. 1967 umgezeichnet abgeliefert wurde und dann bis zum Umbau als Bahndienstwagen im Okt. 1970 noch drei Jahre im Reisezugdienst war.