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Unser Wagen 11 ist fertig

Ab Himmelfahrt 2015 verstärkt der Wagen 11 unseren Museumszug.

Zur Historie:

Der Wagen 11 wurde für die Deutsche Reichsbahn 1922 als Sitzwagen 4. Klasse von der Waggon- und Maschinenfabrik AG, vormals Busch, in Bautzen gebaut. Der Beschaffungspreis betrug 17.360 Reichsmark. Seine Bauartbezeichnung lautete Di-21. Als Wagennummer dieser Zeit konnte leider nichts genaues ermittelt werden. Er hatte 66 Plätze auf sehr harten und schmalen Bretterbänken, Dampfheizung und Gasbeleuchtung. Die Bühnengeländer, das hatte die Reichswehr gefordert, sollten umlegbar sein und neben der Haupttür in den Stirnseiten musste eine kleine Drehtüre angeordnet werden, um Tragen hindurchschieben zu können: Die Wagen sollten so mit kleinstem Umrüstaufwand als Lazarettwagen dienen.
Nach der Heraufstufung der 4. zur 3. Wagenklasse 1928 beschwerten sich die Fahrgäste, dass der zweifelhafte “Komfort” der 4. Klasse zwar geblieben war, aber sie nun den wesentlich höheren Preis für die 3. Klasse bezahlen mussten. Dies fiel zudem in die Zeit der Wirtschaftskrise.
Dem kam die Deutsche Reichsbahn ab Mitte der 30er Jahre entgegen und ließ in Beschäftigungsprogrammen die Wagen innen umbauen. Mit nur noch 56 Plätzen, diese aber auf wesentlich komfortableren, der Körperform angepassten Holzlattenbänken und oft schon mit elektrischer Wagenbeleuchtung ging man ins Rennen. Zudem entfiel eines der beiden Aborte (Klosett). Die Wagen trugen nun die Bauartbezeichnung Ciu-21/33 oder Ciu-21/38.
Im zweiten Weltkrieg kamen diese Wagen tatsächlich zu der ursprünglich gedachten Lazarettfunktion, wie das Foto vom Frankreichfeldzug 1940 zeigt.
Nach dem zweiten Weltkrieg waren viele Wagen beschädigt oder zerstört. Die übrig gebliebenen Wagen dieser Bauart wurden erneut wegen ihrer einfachen Beladungsmöglichkeit zu Sonderzwecken ausgesucht und eingesetzt: Sie kamen als sog. Kolonnenwagen in die Begleiterwagenfunktion der Reparationszüge der sowjetischen Besatzungsmacht, so auch unser Wagen 11. Er hieß nun “Bdw 790 301″. Bdw stand für Bahndienstwagen. Mitte der 50er Jahre endeten die Kolonneneinsätze und die noch brauchbaren Wagen dieser Bauart kamen in die Generalreparatur, ebenfalls auch unser Wagen 11, der 1955 das Reichsbahnausbesserungswerk Wittenberge als Gattung “Bi” mit der Nummer 81734 (in zweiter Nummernbesetzung) verließ.
Ab 1958 wurde das Stammnummern-System bei der DR eingeführt, unser Wagen hieß fortan “340-413″. Bis Oktober 1969 war er der Reichsbahndirektion Cottbus zugeordnet und versah vom Einsatzbahnhof Zittau aus seinen Dienst. Erhaltungswagenmeisterei war Löbau. Für kurze Zeit, bis Dezember 1970 erhielt er noch eine zwölfstellige Wagennummer nach internationaler Darstellung:
50 50 24 25 504-2. Anschließend wurde er im Raw Potsdam zum Bauzuwagen umgebaut, erhielt Ofenheizung und war bis zu seiner Ausmusterung 1991 dem Oberbauwerk Bützow der Rbd Schwerin als “Dienst aa” mit der Wagennummer 60 50 99-17 836-6 zugeteilt.
1991 erwarben ihn die Berliner Eisenbahnfreund e.V. aus dem Reservoir im Raw Potsdam, ließen ihm dort eine Hauptuntersuchung zukommen und rüsteten ihn anschließend mit S-Bahnbänken und einem Chemieklo aus. Die Wagenbeleuchtung kam über eine 24V-Zugsammelschiene. So erfuhr er anschließend noch eine weitere Untersuchung, die ihn bis 2007 bei uns im Einsatz ließ.
Nach längerer Abstellzeit haben wir ihn uns wieder vorgenommen, einer Hauptuntersuchung des sog. EBO-Teils (Rahmen, Laufwerk, Zug-/Stoßeinrichtung, Bremse) und einer grundmäßigen Überarbeitung von Aufbau, Inneneinrichtung, Bestuhlung, Beleuchtung und äußerer Farbgebung unterzogen. Vollständig wurde dabei die innere Gestaltung geändert, der Wagen hat nun mit zeittypischer Polstersitzausstattung und Alu-Längsgepäckträgern das Ambiente der Generalreparatur-Zeit ab Mitte/Ende der 50er Jahre, wodurch für die damalige Zeit eine erhebliche Komfortsteigerung erfolgte. Dabei erhielt er auch viele kleine Details (Schilder, Reklame, farbliche Absetzungen). Er hat nun 54 Sitzplätze, Dampfheizung, elektrische Beleuchtung und verfügt über eine Beschallungsanlage nach UIC. Allerdings entfiel das Klosett zugunsten eines Dienstraumes.
Die gesamten Arbeiten zogen sich von Sommer 2011 bis ins Frühjahr 2015 hin. In dieser Erscheinungsform dürfte er ein Einzelstück sein, da dieser Wagentyp bei anderen Museumsbahnen häufig auf die 4. Klasse der Zeit vor 1928 zurückgebaut worden ist.
Am 06.05.2015 erhielt er seine eisenbahntechnische Abnahme zum Wiedereinsatz. Seine Wagennummer nach dem internationalen System (NVR) lautet nunmehr: D-BEF 75 80 24-29 367-5.

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