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Pfingsten vor 30 Jahren oder 90 Jahre Heidekrautbahn 1991

In diesem Jahr wollen wir in Zeiten des Lockdowns öfters mal einen Blick zurück in die Geschichte des Vereins werfen. Dazu bietet sich das ereignisreiche Jahr 1991 - also jenes von vor 30 Jahren an.

    

Am 18. und 19. Mai 1991 wurde in Basdorf bei Berlin das 90-jährige Jubiläum der Heidekrautbahn mit einem großen Volksfest gefeiert. Aus diesem Anlaß führte unser Verein Dampfzugfahrten auf der Heidekrautbahn zwischen dem Haltepunkt Wilhelmsruher Damm und Basdorf durch.

Viele Hindernisse mußten gemeistert werden, bevor der erste Dampfzug nach vierzig Jahren wieder auf Strecke gehen konnte. Die Initiative der beteiligten Dienststellen der Deutschen Reichsbahn, des Basdorfer Festkomitees und unseres Vereins ermöglichten schließlich doch die Durchführung des ersten Einsatzes unseres Museumszuges im Land Brandenburg. Die notwendigen Genehmigungen wurden erst kurz vor dem Veranstaltungstermin erteilt. Am 16. Mai wurde noch einmal der Fahrplan der Dampfzüge von der Deutschen Reichsbahn geändert, so daß alle veröffentlichten und verteilten Fahrpläne ungültig wurden.

Am 17. Mai 1991 wurde unser Dampfzug von unserem damaligen Vereinsgelände in Berlin-Reinickendorf nach Basdorf überführt. Da eine direkte Schienenverbindung von Reinickendorf ins Umland noch fehlte, mußte unser Zug über Gesundbrunnen, Spandau, Wustermark, Oranienburg, Fichtengrund und Wensickendorf nach Basdorf fahren. Rund 90 Kilometer legte unser Zug nach Basdorf zurück. Als Zugmaschine fungierte die Diesellok 112 465 des Bw Berlin-Pankow. Unsere Dampflok „Ampflwang“ wurde unter Schmierdampf gezogen. Fünf Reisezugwagen unseres Vereins, darunter auch der damals erst vor wenigen Wochen erworbene Personenwagen 340-413 der Ursprungsbauart Di-21, bildeten mit einem Flachwagen, der der Beförderung der Lokomotivkohle und einer Handhebeldraisine diente, den restlichen Zugverband. Nach rund vier Stunden wurde Basdorf erreicht. Über Nacht wurden die Fahrzeuge in den Hallen der Triebwageneinsatzstelle Basdorf gesichert abgestellt.

    

    

Am 18. Mai kurz nach 7 Uhr fuhr dann der erste Dampfzug von Basdorf als Leerzug nach Berlin. Die Einstiegsstelle lag auf Pankower Seite im Bereich des ehemaligen Mauerstreifens am Wilhelmsruher Damm, der noch nicht völlig durchgängig war. Man konnte nur durch ein Drängelgitter auf die Reinickendorfer Seite wechseln. Der Mauerstreifen war damals, zirka ein Jahr nach Demontage der Grenzsicherungsanlagen, noch völlig unbewachsen. In der Gleisharfe auf dem Werksgelände des ehemaligen VEB Bergmann-Borsig konnte die Dampflok umgesetzt werden. Pünktlich um 8:39 Uhr setzte sich der erste Personenzug in Bewegung. Bis auf einige Betriebshalte an Bahnübergängen und an der Awanst Asw (Ausweichanschlußstelle Schönwalde) wurden alle Bahnhöfe ohne Halt durchfahren. Zahlreiche Fasane, Rehe, Hasen sowie weidende Kühe waren genauso überrascht von den Klängen unserer Dampflok, wie einige schläfrige Laubenpiper, die im Pyjama ihre Lauben verließen, um unseren Dampfzug zu bestaunen. Wie damals üblich konnten in den Wäldern und Feldern abgestellte Autowracks gesichtet werden.

    

    

    

Leider stand der Betrieb nicht gerade unter einem guten Stern. Bei der dritten Fahrt wurde im Haltepunkt Wilhelmsruher Damm ein heißgelaufenes Treibstangenlager festgestellt. Das Lager konnte an Ort und Stelle notdürftig repariert werden. Die folgenden Zugpaare mußten mit einer Diesellokomotive  bespannt werden. Während der Nacht wurde das volle Ausmaß des Schadens sichtbar. Noch heute, also dreißig Jahre später erzählen sich die Beteiligten, wie sie den Schlosserkollegen der Einsatzstelle Basdorf aus seinem wohlverdienten Wochenende holen und zum Lagerschmelzen, -ausgießen und -drehen bewegen mußten. Diese Arbeiten nahmen dann die ganze Nacht zum Pfingstsonntag in Anspruch. Während am Pfingstsonntag die ersten beiden Züge mit einer Diesellok bespannt wurden, konnten die Arbeiten an der Ampflwang abgeschlossen werden. Nach einer Probefahrt mit einer „Angstlok“ als Vorspann übernahm die Dampflok wieder die Beförderung des Zuges. Am Pfingstsonntag erreichte der letzte Zug erst gegen 22 Uhr den Bahnhof Basdorf. Die Rücküberführung von Basdorf nach Berlin-Reinickendorf erfolgte dann am Pfingstmontag. Diese verlief ohne weitere Vorkommnisse. Das in Basdorf neugegossene Stangenlager verhielt sich unauffällig und tat noch bis zur Hauptuntersuchung 1995 seinen Dienst.

Eine Fahrzeugausstellung an der Ladestraße im Bahnhof Basdorf zeigte alle damals in Basdorf stationierten Triebfahrzeugbaureihen. Unser Schienenbus wurde ebenfalls ausgestellt. Es kam also zum ersten Treffen einer „Ferkeltaxe“ der Baureihe 171 der DR und unserem Schienenbus der Baureihe VT95 der DB. Ein in Basdorf abgestellter Schnelltriebwagen (VT173 234) der Bauart „Leipzig“, zuletzt als Regierungstriebwagen genutzt, konnte ebenfalls vom Bahnsteig aus betrachtet werden. Leider war der Schnelltriebwagen nicht zugänglich.

    

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