Schienenbus VT 95 9396

der Deutschen Bundesbahn (DB)

Technische Daten des Fahrzeuges:

Gattung: B
Hersteller: MAN Nürnberg
Baujahr: 1954
LüP: 13.298 mm
Gewicht: 13.900 kg
Bremse: WA-P Mg
Höchstgeschw.: 90 km/h
Sitzplätze: 56 (2. Kl.)
Zustand: Betriebsfähig

Zur Rationalisierung und Modernisierung des Personenverkehrs auf Nebenbahnen beschaffte die Deutsche Bundesbahn in den fünfziger Jahren knapp 600 Diesel­triebwagen der Baureihe VT 95, einer Entwicklung der Waggonfabrik Uerdingen. Die Fahrzeuge zeichneten sich gegenüber anderen Eisenbahnfahrzeugen vor allem durch einfache Bauweise aus, durch die die Beschaffungskosten relativ niedrig gehalten werden konnten. Dazu trug auch die Anwendung des Leichtbaus und die Übernahme bewährter Teile (z.B. Motor, Getriebe und Bremse) aus dem Straßen­omnibusbau bei. Als Zug- und Stoßeinrichtungen kamen vereinfachte Scharfenberg Mittelpufferkupplungen zum Einbau; die seitlichen Pufferbügel dienen lediglich als Berührungsschutz gegenüber anderen Eisenbahnfahrzeugen. Durch die Anordnung sämtlicher Aggregate unter dem Wagenfußboden entstand im Innern ein Großraum. Die beiden Führerstände sind vom Fahrgastraum lediglich durch Ketten bzw. Vorhänge abgegrenzt. An einem Ende des Fahrgastraumes wurde ein Toilettenabteil eingebaut. Obwohl die sogenannten Schienenomnibusse bis 1956 als 3. Klasse-Züge liefen, erhielten sie von Anfang an Kunststoffpolstersitze, die umklappbar sind, so dass die Fahrgäste stets in Fahrtrichtung sitzen können.

Als durch die Stillegung zahlreicher Nebenbahnen und die Beschaffung modernerer Fahrzeuge für den Nahverkehr die Einsatzmöglichkeiten für die Schienenomnibusse immer weiter zurückgingen, kam Ende der 1970iger Jahre für die relativ schwach motorisierte Baureihe VT 95 das "Aus".

Unserem Verein gelang es mit Hilfe einer Berliner Brauerei, den 795 396 (bis 1968: VT 95 9396) von der Deutschen Bundesbahn als Vertreter der Nachkriegsverkehrsgeschichte zu erwerben. Das in Lizenz von der Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg gebaute Fahrzeug war lange Zeit in Uelzen, danach bis zu seiner Ausmusterung am 20. November 1980 in Landau stationiert. Bevor der Triebwagen im August 1982 nach Berlin rollte, wurde er im Bundesbahnausbesserungswerk Kassel noch einer Hauptuntersuchung unterzogen. Bereits im September 1982 pendelte er als zweiter Zug bei unseren Sonderfahrten zwischen Eiswerder und Gartenfeld.

Mit dem Inkrafttreten des Eisenbahnneuordnungsgesetzes im Jahre 1994, dass die Liberalisierung der Netzzugänge für Dritte zum Netz der Deutschen Bahn regelte, erweiterte sich das Einsatzgebiet des Triebwagens. Um den Anforderungen des Netzzuganges gerecht zu werden, haben wir das Fahrzeug mit Zugbahnfunk und mit der Punktförmigen Zugbeeinflussung (PZB 90) ausgerüstet. Damit sind mit dem Triebwagen auch Fahrten in das Berliner Umland möglich geworden.