Unsere Strecken

"Mit der Heidekrautbahn in die Schorfheide"*

Die von der Niederbarnimer Eisenbahn, im Volksmund „Heidekrautbahn“ genannt, erschlossene Gegend gehört zu dem schönsten landschaftlichen Teil des Berliner Nordens. Die Line führt von Reinickendorf-Rosenthal über Schildow, Mühlenbeck und Schönwalde bis Basdorf, gabelt sich dort in westlicher Richtung über Zühlsdorf bis Liebenwalde (Anmerkung leider seit 12.1997 außer Betrieb, jetziger Endpunkt ist Schmachtenhagen) und in östlicher Richtung über Wandlitz bis Groß Schönebeck und führt so aus Berlin heraus in das Herz des Kreises Niederbarnim(zeitgenössische Bezeichnung). In dem durchschnittenen Gebiet wechseln herrliche Laub- und Nadelwälder mit märkischen Seen in bunter Folge ab. Und in den Wäldern, an den Waldrainen und auf den zu jeder heimischen Landschaft gehörenden Brachfeldern wächst die lilafarbene Erika, Heidekraut genannt, und leuchtet im Herbst weit über ihre Flur hinaus. Da ist es kein Wunder, daß der Berliner für die diese Gegend erschließende Bahn den Namen „Heidekrautbahn“ erfand. Unter diesem Namen ist sie volkstümlich geworden.

SchienenbusWenn man die Schönheiten dieser Gegend schildern will, müßte man jede an der Strecke liegende Gemeinde nennen. Besonders erwähnt aber seien die Gebiete in der Gegend von Wandlitz mit dem etwa 1500 Morgen großen Wandlitzsee mit seinem der Gemeinde gehörenden Seebad, dem „Modebad des Nordens“. In de Nähe der einzigartige Liepnitzsee mit den großen Waldungen von Lanke. Am Ende der Bahn erstreckt sich das 148 000 Morgen große Gebiet der Schorfheide und die recht märkische Kleinstadt Liebenwalde.

Es gibt wohl kaum ein besseres Ausflugsgebiet in der Nähe von Berlin, wie unsere Schorfheide, die man bequem mit der „Heidekrautbahn“ in einer Stunde Fahrzeit ab Reinickendorf-Rosenthal erreichen kann. Es lohnt sich schon für den durch die Tagesarbeit ermüdeten, nach Wald und See dürstenden Großstädter von den Stationen Klandorf oder Groß Schönebeck aus eine Wanderung durch den herrlichen Wald nach dem neuen Wisentgehege bei Eichhorst(Anmerkung: nicht mehr vorhanden), dem Jagdschloß Hubertusstock, dem Besitz des früheren Reichspräsidenten von Hindenburg, und dem Werbellinsee zu unternehmen. Die Wanderung nimmt hin und zurück etwa 3-3,5 Stunden in Anspruch. Durch die teilweise Einrichtung des Triebwagensverkehrs, der allmählich zu einem Vollverkehr ausgebaut werden soll, ist die Bahnverbindung heute als sehr günstig zu bezeichnen, zumal nicht nur nach den beiden genannten, sondern auch nach allen Stationen der Bahn verbilligte Ausflugskarten zur Verausgabung kommen. Während der Sommerfahrplanperiode bestehen auch noch von dem Bahnhof Ruhlsdorf-Zerpenschleuse aus bequeme und billige Dampferverbindungen nach dem Werbellinsee und dem größten Schiffshebewerk der Welt bei Niederfinow. (Anmerkung: Leider werden weder die Ausflugskarten noch die Dampferverbindungen mehr angeboten).

Der überaus rege Siedlerverkehr auf der Heidekrautbahn legt Zeugnis davon ab, daß an dieser Strecke eine Gegend der Besiedlung erschlossen worden ist, wie sie der von des Tages Last und Arbeit geplagte Großstädter zur Wohnung und Erholung nach Feierabend sucht.

* Dieser Text wurde der Werbebroschüre „Hinein in den schönen Kreis Niederbarnim“, erschienen in den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts, entnommen.

Ergänzt um Scans der Broschüre und dem Sommerfahrplan 1939 der NEB.